Kleines Land ganz groß
Ein Bär brüllt einem auf dem Wappen des Kantons Appenzell-Innerrhoden entgegen. Bedrohlich bleckt er die Zähne, seine Vordertatzen suchend von sich gestreckt. Doch, doch: Das Wappen des Landstriches im Nordosten der Schweiz verströmt eine angriffslustige Wildheit. Kleines Land ganz groß möchte man meinen. Immerhin ist Appenzell-Innerrhoden hinsichtlich der Einwohnerzahl der kleinste schweizerische Kanton, flächenmäßig ist nur Basel-Stadt noch kleiner. Doch trotz der geringen Größe lohnt sich ein Besuch. Vor allem Wanderer kommen in der von wunderschönen Naturpanoramen und bäuerlicher Beschaulichkeit geprägten Region auf ihre Kosten.
Friedliche Teilung
Landschaftlich hat der Kanton eine Menge zu bieten: So wartet der Säntis-Gipfel auf 2500 Metern Höhe auf tapfere Berg- und Panoramafreunde. Auf dem berühmten Berg treffen übrigens die Grenzen von Appenzell-Innerrhoden, Appenzell-Außerrhoden und St. Gallen aufeinander. Als besonders markant fällt außerdem eine mächtige Hügelkette ins Auge, die vom Burgstock angeführt wird und sich bis nach Oberegg zieht. Besteigt man sie, bietet sich eine herrliche Aussicht auf das bewohnte Gebiet des nur 172 Quadratkilometer großen Halbkantons mit der langen Geschichte. Bereits seit 1517 gehört er nämlich der Eidgenossenschaft an. 1597 teilte sich der Kanton Appenzell friedlich in die beiden Appenzeller Halbkantone.
Fünf verschiedene Haustypen
Die Besiedlung des Kantons ist durchweg kleinbäuerlich geprägt. Zu den typischsten Siedlungsformen gehört der eingezäunte Einzelhof mit Wohnhaus und Wirtschaftsgebäude. Insgesamt begegnet man fünf verschiedenen Haustypen häufig, darunter das historisch bedeutsame Heidenhaus, das vornehmlich im 16. Jahrhundert gebaut wurde. Weitere Haustypen sind das Steildachhaus oder das Barockgiebelhaus. Bis heute wird im Appenzeller Raum viel Weidenwirtschaft betrieben, so dass auch Rinder einen gewohnten Anblick darstellen. Die ländliche Umgebung war zudem die Wiege für eine eigene Kunstsparte: Die Appenzeller Bauernmalerei geht ebenfalls bis ins 16. Jahrhundert zurück, ihre Motive finden sich auf Häusern und Möbeln ebenso wie auf Alltagsgegenständen.
Tanz den Hierig
Eine beliebte Quelle für die Motive der Bauernmalerei war das Brauchtum, das weiterhin einen großen Stellenwert im Appenzeller Alltag einnimmt. So wird im Mai das Vieh im Rahmen des festlichen Almauftriebs auf die Sommerweiden getrieben. Mit dem Hierig hat sogar ein eigener Tanz seinen Ursprung im Kanton. Pantomimisch stellen die Tanzenden dabei die Entzweiung und Versöhnung zweier Liebender nach. Auch sehenswerte Museen hat Appenzell-Innerrhoden zu bieten. Das Museum Ziegelhütte hat sich auf Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts spezialisiert, regelmäßig stehen auch Konzerte und Lesungen auf dem Programm. Der Geschichte des Kantons widmet sich das Museum Appenzell im gleichnamigen Hauptort. Im Museum Liner werden Werke der Maler Carl August und Carl Walter Liner ausgestellt.